Peter Lindbergh. Untold Stories – Eine persönliche Retrospektive im Kunstpalast
Mit der Ausstellung Peter Lindbergh. Untold Stories widmete der Kunstpalast Düsseldorf im Jahr 2020 einem der einflussreichsten Fotografen der Gegenwart eine außergewöhnlich persönliche Retrospektive. Es war die erste Ausstellung, die Peter Lindbergh (1944–2019) noch selbst konzipiert hatte – ein Vermächtnis, das weniger Rückschau als vielmehr Selbstverortung ist.
Lindbergh, der als Wegbereiter eines neuen, naturalistischen Bildes der Modefotografie gilt, entzog sich zeitlebens glamouröser Oberflächen. Auch Untold Stories folgt diesem Ansatz. Rund 140 Fotografien zeigen ikonische Porträts, Modeaufnahmen und bislang unveröffentlichte Arbeiten, die Lindbergh bewusst aus seinem umfangreichen Archiv ausgewählt hatte. Der Fokus liegt nicht auf Chronologie, sondern auf Haltung.
Die Ausstellung verzichtet weitgehend auf erklärende Texte und inszenatorische Effekte. Stattdessen entfalten die Bilder ihre Wirkung in ruhigen, großzügigen Räumen. Schwarzweiß dominiert – als ästhetische wie ethische Entscheidung. Lindberghs Fotografien zeigen Menschen, keine Inszenierungen: Models, Schauspielerinnen und Schauspieler erscheinen ungeschützt, verletzlich, oft jenseits gängiger Schönheitsnormen.
Besonders eindrucksvoll sind die Porträts starker Frauenfiguren – von Naomi Campbell über Linda Evangelista bis hin zu Kate Moss. Lindberghs Kamera sucht nicht das Perfekte, sondern das Wahrhaftige. Falten, Schatten und Unschärfen werden nicht kaschiert, sondern als Teil der Persönlichkeit sichtbar gemacht. Schönheit entsteht hier aus Charakter und Präsenz, nicht aus Retusche.
Ein zentrales Thema der Ausstellung ist Lindberghs Verständnis von Fotografie als Erzählung ohne Worte. Viele Bilder wirken wie Fragmente eines Films, Momentaufnahmen aus Geschichten, die nie vollständig erzählt werden. Der Ausstellungstitel Untold Stories verweist genau auf dieses Prinzip: Das Ungesagte, das Offene, das dem Betrachter Raum zur eigenen Interpretation lässt.
Im Kunstpalast wird deutlich, dass Peter Lindbergh weit mehr war als ein Modefotograf. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Kunst, Film und Porträtfotografie und haben das visuelle Selbstverständnis ganzer Generationen geprägt. Untold Stories ist damit nicht nur eine Hommage, sondern ein stilles, eindringliches Schlusswort eines Künstlers, der bis zuletzt konsequent seiner eigenen Bildsprache treu blieb.
photos © philipp j. bösel











